Auf den Verlust welchen „Wohlstands“ will der amtierende Bundesfinanzminister die deutsche Bevölkerung im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine vorbereiten? Hat er denn noch gar nicht gemerkt, wieviel Wohl-Stand uns allen bereits seit Jahrzehnten verloren gegangen ist – insbesondere durch die von ihm so vehement vertretene liberal-kapitalistische „Marktwirtschaft“?
Wohlstand bedeutet auch Vielfalt auf allen Ebenen (Foto: Ellenberg´s Kartoffelvielfalt / Plantura Garden)
Eines stimmt: Unter dem zwanghaften Wirtschaftswachstumsdogma der letzten 70 Jahre ist das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland stetig angewachsen (Statista 2022).
Wie in dem Märchen Des Kaisers neue Kleider ist den Menschen in all dieser Zeit vorgegaukelt worden, dass damit auch ihr „Wohlstand“ gestiegen sei – dabei meinte das nur, dass ihnen immer mehr Geld für immer mehr Konsumgüter aus der Tasche gezogen wurde, während gleichzeitig ein gigantischer Verarmungsprozessseinen Lauf genommen hat.
Denn der vermeintlich gewachsene Wohlstand war nur möglich auf Kosten eines stetig zunehmenden Un-Wohlstands weiter Teile der gesamten Erdbevölkerung und der Natur …
Her mit einem Sondervermögen für eine geschlechtergerecht-nachhaltige gesamtgesellschaftliche Friedens- & Bildungspolitik zur Prävention von Not, Kriegen und Vertreibung!
Foto: Action Press; Ausschnitt abfotographiert aus dem „Stern“ v. 11.03.2022, S. 22/23 Auszug aus der Bildunterschrift dort: [Auf dem Schild dieser mutigen alten russischen Frau im Sankt Petersburg dieser Tage steht:] „Es gibt auch eine gute Nachricht: Das Wort ‚Frieden‘ haben sie noch nicht verboten.“
Klischeehafter als der derzeitige Krieg Russlands gegen die Ukraine könnte kein Drehbuch für einen billigen „Böse-(fremde-)Männer-gegen-Frauen-und-Kinder“-Actionfilm aussehen:
Rund 150.000 russische Männer überfallen ihr Nachbarland Ukraine, zerstören gezielt seine Lebensgrundlagen und zwingen damit tagtäglich mehr Menschen in existenzielle Not – und wieder sind es hauptsächlich Frauen (rund 90% der derzeit mehr als 3,7 Mio. ins Ausland Geflüchteten, UNHCR) und Kinder (derzeit rund 1,8 Mio. außer Landes geflüchtet, UNICEF), die zu ihrem Schutz aus der Heimat und gesicherten Lebensverhältnissen fliehen müssen.
Tatsächlich existiert dieses Drehbuch für einen so extrem frauen- und kinderverachtenden Alltag bereits seit vielen Jahrzehnten: Denn weltweitsind laut UN-DatenmaterialJahr für Jahr rund 2/3 aller flüchtenden Menschen Frauen und Kinder!!
Allerhöchste Zeit also (endlich!!) für eine Feministische Politik, die nicht nur die Außenpolitik umfasst, sondern alle Ressorts – und damit selbstverständlich auch den Verteidigungshaushalt und das frisch aufgelegte deutsche „Sondervermögen Bundeswehr“ in der gigantischen Höhe von 100 Mrd. Euro!
Die Veränderungen in unserem Lebensumfeld laufen immer schneller ab. Da braucht es mehr denn je bewusste Stopps zum Reflektieren – besonders über die dabei entstehenden Gefühle.
So vielfältig und so komplex sind um uns herum die Geschehnisse miteinander verwoben, dass wir auf der rationalen Ebene immer weniger feste Orientierungs- und Haltepunkte finden.
Wer da die dazugehörigen Gefühle (siehe auch der kleine Einblick in das Phänomen der „Ökologischen Trauer“ hier in diesem Beitrag) übergeht oder sie gar bewusst ausklammert, handelt fahrlässig und dumm, nicht nur für sich persönlich. Verdrängte Gefühle entwickeln ein Eigenleben, das durch die Vernunft nicht (mehr) erreichbar ist.
Am 15.02.22 war die UNESCO – digital – zu Gast im Auswärtigen Amt, das zusammen mit dem BMBF und dem BMZ den UNESCO-Weltbildungsbericht 2021/22 in Deutschland vorstellte. Sein Titel: „Die Rolle nichtstaatlicher Akteure in der Bildung – Wer hat die Wahl? Wer verliert?“
Der offizielle Titel der Präsentation mit seinen beiden Fragen hatte mich neugierig gemacht. Die Bildung der Zukunft wird schließlich schon seit einigen Jahren einvernehmlich mit Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) bezeichnet und als nichtstaatliche freiberufliche zertifizierte Bildungspartnerin für Nachhaltige Entwicklung war ich offensichtlich angesprochen.
Allerdings befinde ich mich in einer prekären Situation. Denn meine Arbeit und die unzähliger Kolleg*innen – zumindest hier in Deutschland – wird zwar mit dem Begriff der „non-formalen, informellen Bildung“ auf staatlicher Seite in ihrer Gewichtigkeit hochgepriesen („60-70% aller menschlichen Lernprozesse im Alltag“, „begleitet einen Menschen ein Leben lang“, „entscheidender Bildungsfaktor“) – aber wertgeschätzt sowie angemessen unterstützt und bezahlt werden die Vermittler*innen dieser Bildung nicht (siehe auch Online-Petition „Endlich Geld für wertvolle Arbeit …!“ – bitte gleich unterschreiben!).
Also war ich gespannt: ► Würden der notwendige Wandel des Bildungssystems, die „anspruchsvolle Transformation“ (Ex-Bundeskanzlerin A. Merkel, 2021) im Bericht reflektiert und anschließend auf dem virtuellen Podium angemessen diskutiert werden? ► Und würden die Statements mit klaren Aufrufen an die staatlichen Stellen verbunden sein, eine dauerhafte auskömmliche Förderung der partnerschaftlichen Kooperationen aller nicht-renditeorientierten Bildungsakteur*innen zu etablieren?
Ihr kennt Mecklenburg-Vorpommern (MV) bisher nur vom Durchfahren auf dem Weg zu Eurem Ostsee-Ausflug? Dann entdeckt hier ein Bundesland, in dem mutig-visionäre Menschen mit viel Wissen, Lust und Kreativität die Herausforderung „Zukunft“ bei ihren Hörnern packen.
„MV2030 mitdenken!“ heißt die Einladung der Landesregierung und ein breites Spektrum engagierter Menschen ist mit zukunftsträchtigen Konzepten und Ideen aus allen Bereichen der Gesellschaft dabei.
9 Monate intensive Arbeit an Inhalt und Form liegen hinter uns, dazu zahllose Kämpfe mit der Technik – jetzt ist alles fertig (HINTERGRUND und TRAILER):
Wir befinden uns mitten in tiefgreifenden Veränderungsprozessen. Damit haben wir jetzt die besten Chancen, eine uralte Ungerechtigkeit in eine starke neue Vision für die Zukunft zu verwandeln.
Auf dem Weg in eine zukunftsfähige Gesellschaft fordern die UN-Nachhaltigkeitsziele und das Bildungsprogramm BNE 2030 von uns nachdrücklich „Transformatives Handeln“, also so zu leben, zu lernen und zu lehren, dass wir Veränderungen in Richtung eines nachhaltig guten Lebens für alle bewirken.
Dieses Handeln braucht es auch dringend an vielen Stellen – und gleich als erstes bei der grundlegendsten Ungerechtigkeit, die uns Menschen in allen gesellschaftlichen Bereichen in der Entwicklung behindert: bei der hartnäckigen Schieflage zwischen den Lebenssituationen der weiblichen und der männlichen Bevölkerungshälfte.
Sie sind Punkte, an denen es um Lebensmittel geht, und Orte, an denen das Leben im Mittelpunkt steht – und nun sind sie auch fester Bestandteil der neuen Berliner Ernährungsstrategie: die LebensMittelPunkte (LMP).
Quelle: Berlin 21 (Wiebke Koch Graphic Recording)
Dabei muss die dringend anstehende Ernährungswende beileibe nicht „von oben herab“ verordnet werden, denn sie findet schon seit vielen Jahren statt – ein wundervolles Beispiel für demokratische „Bottom-up“-Prozesse (s. auch der Artikel „Vom Reden zum Machen“).
Quelle: Berlin 21 (Visual Facilitation: Wiebke Koch)
Bundesweit erstmalig ist im vergangenen Februar in Berlin ein Bericht zur Umweltgerechtigkeit in einem Metropolenraum erschienen, der sozialraum-, also „kiez“bezogen verschiedene Aspekte von Umweltbelastungen aufzeigt.
Sie denken, Bits und Bytes haben kein Geschlecht? Sie glauben, in den Fächern Mathematik und Informatik spielt es keine Rolle, ob Ihr Schulkind ein Mädchen oder ein Junge ist? Dann werden Sie die folgenden Zeilen mächtig überraschen …
Die Versprechungen sind mannigfaltig: Arbeitserleichterung in Beruf und Haushalt, Beschleunigung von Datenflüssen, Kostenersparnisse in allen Unternehmen und Unternehmensbereichen u.v.m.
Markus Grolik: Hoffnungsschimmer (27.03.2015)
Und weil die technischen Neuerungen so verlockend und die zu erwartenden Profite so gewaltig sind, ist „Die Digitalisierung“ nicht aufzuhalten.
Riesengroß also die Versuchung, auf dem Weg in die „neue“ Zeit trotz des UN-Nachhaltigkeitsziels #5 schnell über ein „altes“ Thema hinwegzuspringen: Die digitale Transformation droht, die ungerechtfertigten Einkommens-Missverhältnisse zwischen Frauen und Männern (Gender Pay Gap und Gender Pension Gap) – in Algorithmen verborgen – für die Ewigkeit festzuschreiben.