Das schleichende Nagen an der Demokratie – von ganz „oben“

Das langjährig erfolgreiche Förderprogramm des Bundes „Demokratie leben!“ soll neu aufgestellt werden. Renommierten Organisationen und rund 200 Demokratie-Projekten mit deutschlandweiter Bedeutung sollen ab 2027 die Fördermittel entzogen werden – obwohl ihre erfolgreiche Arbeit mehrfach von unabhängiger Seite bestätigt wurde. Was steckt dahinter?

Screenshot (11.5.26): Website des Förderprogramms „Demokratie leben!“

Das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ des heutigen Superministeriums BMBFSFJ für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (!) „fördert [seit 2015, M.P.] zivilgesellschaftliches Engagement auf allen Ebenen des Staates für ein vielfältiges und demokratisches Miteinander sowie die Arbeit gegen Radikalisierungen und Polarisierungen in der Gesellschaft“ (Programm-Website). Zur Zeit befindet es sich in seiner 3. Förderperiode (2025-2032).

Warum ist dieses Programm so wichtig?

„Die Aufdeckung der schrecklichen Morde des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) hat unser Land verändert. Es war klar: Wir müssen uns noch stärker um den sozialen Frieden und um unsere Demokratie kümmern. Und wir müssen dabei auf unsere wertvollste Ressource setzen: unsere Zivilgesellschaft. Menschen, die Tag für Tag die Werte unseres Grundgesetzes mit Leben füllen, die sich für Zusammenhalt und gegen Hass und Menschenfeindlichkeit engagieren. Das Ergebnis war die Gründung des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ im Jahr 2015.“ (Quelle: Vorwort der damaligen SPD-Bundesministerin Franziska Giffey zum Abschlussbericht der 1. Förderperiode, s.u.)

Die Ergebnisse seither

Schon in der 1. und 2. Förderperiode ist die Arbeit des Programms wissenschaftlich begleitet und evaluiert worden.

Und die Abschlussberichte beider bisher abgeschlossener Förderperioden zeigen deutlich: „Unsere wertvollste Ressource: unsere Zivilgesellschaft“ hat bis zum heutigen Tag sehr erfolgreich gearbeitet:

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Mann, lass den Hammer fallen! oder: ENOUGH!GENUG! FRAUENSTREIK!

Adrienne Goehler und die Co-Initiatorinnen des Globalen Frauen*GeneralStreiks am morgigen Montag, 9.3.26, haben mit ihrem Ruf „ENOUGH!GENUG!“ Frauen* aus allen Teilen Deutschlands und weit darüber hinaus aus tiefstem Herzen gesprochen. Die Missstände und Krisen in allen gesellschaftlichen Bereichen sind so offensichtlich Ergebnisse und Auswirkungen eines Übermaßes an männlichen Hormonen, Ambitionen und Fehlentscheidungen, dass es mehr braucht als einen einzigen „Frauentag“ – es braucht den kollektiven Aufstand mit langem Atem. Als Initialzündung für eine echte Zeitenwende.

Grafik: Freepik / Collage: M. Porr für PerspektivenWechselWirkung

Sie kennen das Phänomen, das mit „Maslows Hammer“ beschrieben wird? Frei übersetzt spiegelt es folgende Beobachtung wider:

„Ein Mann, dessen einziges Werkzeug ein Hammer ist, sieht in jedem Problem nur einen Nagel.“

An dieses Phänomen muss ich jedesmal denken, wenn der amtierende Bundeskanzler und andere (zumeist) konservative Regierungspolitiker*innen ihre Pläne für die Lösung aktueller gesellschaftlicher Konflikte präsentieren:

Da sollen dann die hochkomplexen Zusammenhänge und Herausforderungen der heutigen Zeit UND der Zukunft mit dem Hammer „Denkmuster und Konzepte aus der Frühzeit der industriellen Revolution“ (also von vor rund 300 Jahren) bewältigt werden, nur aufgehübscht durch einen Anstrich mit dem Namen Neoliberalismus (der allerdings in der Zwischenzeit auch schon beinahe 100 Jahre alt ist). Und mit neu-altem Militarismus. Und überhaupt mit neu-alten patriarchalen Sprüchen und Verhaltensweisen.

Denn damals wie heute geht Maslows „Hammer-Phänomen“ brüderlich einher mit einer anderen Konstante: Wesentliche gesellschaftliche Entscheidungen und Absprachen werden in vorwiegend männlich* besetzten und dominierten Runden getroffen und in schweigender Kumpanei mitgetragen. Mit Verflechtungen und Auswirkungen, wie sie jeden Tag und nicht zuletzt gerade ausführlich in den veröffentlichten Epstein-Files sichtbar werden. Aber eben auch in dem Prozess Gisèle Pelicots gegen ihren früheren Ehemann und 50 weitere Sexualstraftäter.

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Es gibt immens viele Gründe dafür, dass „die Scham die Seiten wechseln muss“ (Pelicot); immens viele Gründe für ein lautstarkes ENOUGH!GENUG! | FRAUEN*STREIK und für den ersten weltweiten Schulterschluss von Frauen*.

Immens viele Gründe für ihr anschließendes gemeinsames entschlossenes Beharren auf einem anderen, global-gerechten gesellschaftlichen Miteinander – über alle inhaltlich unterschiedlichen Sichtweisen und Schwerpunkte weiblichen* Engagements hinweg!

Zum Vertiefen: Artikel-Auswahl auf diesem Blog

PerspektivenWechselWirkung | 6.3.26, 10-11 Uhr | online

In unserer monatlichen Online-Stunde werden wir diesmal – passend zum Motto des Globalen Frauen*GeneralStreiks ENOUGH!GENUG! am 9. März – nicht arbeiten, sondern spielen.

Wer weiß denn sowas? – Gender Edition“ | 
Mini-Quiz zum Anregen & Nachdenken & Austauschen 
anlässlich des Internationalen Frauentags + des

Globalen Frauen*Generalstreiks ENOUGH!GENUG!
am 8.+9.3.26

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PerspektivenWechselWirkungMit wechselnden Themen-Schwerpunkten etablieren wir ein festes knackiges Angebot, das dazu beitragen möchte, netzwerkübergreifenden Austausch mit feministischen Impulsen zu fördern und zu stärken.

+++ Impuls +++ Austausch +++ Tipps & Links +++

DIREKT-LINK FÜR DIE TEILNAHME:
https://us02web.zoom.us/j/84436807287

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PerspektivenWechselWirkung | 6.2.26, 10-11 Uhr | online

„Was, wenn wir die vielen Ursachen für die massive Krise, in die unsere Erde gerade schlittert, nicht mehr isoliert voneinander betrachten? Was, wenn Umweltzerstörung, Rassismus, Kriege, globale Ungerechtigkeit und Misogynie unter dem Schirm von Patriarchatskritik verstanden und vielleicht sogar bewältigt werden könnten?“ (Gertraud Klemm | Abschied vom Phallozän, 2025, Prolog)

Von Aristophanes‘ Lysistrata und ihren Mitstreiterinnen vor fast 2.500 Jahren bis zu den Isländerinnen vor 50 Jahren sowie unzähligen Engagierten mehr auf dem ganzen Globus: Wann immer es bisher nötig war, tiefgreifenden gesellschaftlichen Fehlentwicklungen entgegenzutreten, haben Frauen den Mut, die Phantasie und die Kraft dazu aufgebracht.

Heute ist die Situation weltweit an einem Punkt, der definitiv kein Dulden & Schweigen mehr zulässt:

ENOUGH!GENUG! Postkarte
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In eigener Sache

Ich habe meine Expertise im Bereich Nachhaltige Entwicklung unter dem Blickwinkel von Geschlechtergerechtigkeit erweitert (s. auch MEDIATION).

Info II: Online-Seminar „Nahversorgung gestalten & regionale Wirtschaft stärken“

Einladung der Agrarsozialen Gesellschaft e.V. in Kooperation mit der Regionalbewegung


(Quelle: Website regionalbewegung) Funktionierende Nahversorgungsstrukturen sind ein wesentliches Element der Daseinsvorsorge. Sie tragen zu einer höheren Lebensqualität in Städten und Gemeinden und letztlich zur Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse bei. Besonders in ländlichen Räumen wird es immer wichtiger, die regionale Nahversorgung mit neuen Strategien und innovativen Ansätzen zu sichern. 

Das Online-Seminar der Agrarsoziale Gesellschaft e.V. in Kooperation mit dem Bundesverband der Regionalbewegung e.V. thematisiert, wie die Nahversorgung im Kontext von Regionalentwicklung und Wirtschaftsförderung gestärkt werden kann, welche Chancen und Hemmnisse bestehen und wie sich verschiedene Akteure in die Gestaltung von Nahversorgungsregionen einbringen können.

Zielgruppe: haupt- und ehrenamtliche Akteur*innen der Lebensmittelproduktion, Wirtschaftsförderung, Regionalentwicklung, Landwirtschaft.

Anmeldung und weitere Informationen


PS. M. Porr: Herzlichste Glückwünsche dem Bundesverband der Regionalbewegung e. V. – Kompetenznetzwerk für Regionalität zu 20 Jahren erfolgreicher Interessenvertretung für alle, die regionale Wirtschaftskreisläufe stärken und regionale Wertschöpfung fördern wollen – im Sinne der Verbraucher*innen und für bessere Rahmenbedingungen für regionale Akteur*innen.

Last-Minute-Info für kurzentschlossene Zukunftsgestalter*innen in MV

Die landesweite weltwechsel-Reihe 2025 ist am 25. Oktober erfolgreich zu Ende gegangen. Sie hat einmal mehr gezeigt, wie lebendig und engagiert die Zivilgesellschaft in M-V ist.

(Quelle: weltwechsel-Website) Auch über weltwechsel hinaus wächst das Engagement weiter. Angesichts der Landtagswahlen 2026 entstehen derzeit vielerorts neue Initiativen und bestehende Netzwerke tauschen sich über landesweite Strategien und Kampagnen aus, um Bündnisse zu stärken und gemeinsame Ziele voranzubringen.

Um diesen Schwung mitzunehmen, lädt das Eine-Welt-Landesnetzwerk MV herzlich zur weltwechsel-Zukunftswerkstatt ein (Fahrtkosten können erstattet werden).

Die Themen:

  • Wie kann sich weltwechsel weiterentwickeln und die Zivilgesellschaft in M-V stärken und unterstützen?
  • Wie können wir als Akteur:innen in Zeiten politischer Herausforderungen unsere persönlichen Ressourcen stärken?
  • Wie können wir mehr Menschen für Themen zu globaler Gerechtigkeit begeistern?

Anmeldung und weitere Informationen unter:
weltwechsel@eine-welt.de

Weltwechsel 2025: „Geteilte Welt, geteilte Macht?! SDG#5 aktiv“ | 14.10.25, 10-13 Uhr | online

Am 24.10.1975 legten 90% der isländischen Frauen das Land lahm und veränderten die Geschichte – national und weltweit. Zum 50. Jahrestag dieses historischen Streiks findet am 24.10.2025 die bundesweite Kampagne »Platz-Da?!« statt.
Der Online-Workshop bereitet Aktionen dafür vor.

In unserem interaktiven Online-Workshop unter dem Dach von welt>wechsel 2025 tauchen wir ein in die Energie der Isländerinnen damals und stärken damit unsere Stimmen für heute und hierzulande – für die Kampagne und darüber hinaus (wie z. B. auch im Vorfeld von ENOUGH/GENUG – Global Women*s General Strike 2026).

Denn nur die kraftvolle weibliche* Beteiligung an den aktuell stattfindenden gesellschaftlichen Weichenstellungen entscheidet über Rückschritt, Stillstand oder Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft.

Save the date: Aus Ohnmacht & Wut in die Aktion(en)!

#PlatzDa?! – Kampagne 24.10.2025

Netzwerken mit Musik

Netzwerke leben ja bekanntlich von den vielfältigen Kompetenzen ihrer Mitglieder. Bei der diesjährigen Fête de la Musique in Berlin ließ sich dies auf eine ganz besondere Weise genießen: in Form der Brass-Band Grande Fanfare.

Fotos: M. Porr

Eine Band wie keine zweite besetzte vergangenen Samstag die Bühne des Soda-Clubs in der Berliner Kulturbrauerei: die Grande Fanfare. Fast 100 Menschen – große & kleine Anfänger*innen & Erfahrenere & Profis – hatten im Vorfeld alleine oder in Workshops das Programm eingeübt. Und dann legten sie los: zum ersten Mal zusammen.

Jörg Vollerthun erklärt die Grande Fanfare (Film [50 Sek.]: M. Porr)

Möglich macht diese besondere Form von „Band-Musik für Alle“ Jörg Vollerthun – ein Mann, der einen Riesen-Spaß hat als Posaunist, Coach und Bandleader und daran, Menschen zum Zusammenwirken zu ermutigen und zu befähigen. Ein toller Netzwerker also.

Auch noch mal von hier aus einen tosenden Applaus für die Grande Fanfare und für ihn!

Kreatives Zukunftshandeln: Update aus MV

„Unsere Zukunft beginnt jetzt. Wir wollen nicht warten, bis Veränderungen ‚von oben‛ kommen – wir bringen sie selbst auf den Weg.“ – In MV ist die Initiative Zukunftshandeln in die nächste Phase gestartet, ihre zivilgesellschaftliche Kraft für die Zukunftsfähigkeit im Nordosten der Republik einzusetzen.

Gründung des IZH-Trägerkreises am 28.4.25 (Foto: Jana Wehbe / fint e.V.)

Wer sich schon mal in den Aufbau und Erhalt eines zivilgesellschaftlichen Netzwerks eingebracht hat, weiß, was für einen wichtigen Meilenstein das Treffen am 28.4.25 in Rostock gesetzt hat:

10 Aktive (8 in Präsenz, 2 online dazugeschaltet) aus der Initiative Zukunftshandeln (IZH) MV haben mit der Konstituierung eines Trägerkreises den Startschuss für eine transparente verbindlichere und strukturiertere Arbeit des Netzwerks gegeben.

Wer sich in die IZH einbringen möchte, findet in diesem Netzwerk Gleichgesinnte, Raum für Ideen und konkrete Projekte mit Wirkung. Bereits jetzt bringt die Initiative starke Vorhaben zusammen: darunter …

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