Unterwegs ins gute Leben

Wenn wir uns gegenseitig stützen, wachsen wir über uns hinaus – diese elementare gesellschaftliche Erfahrung lehren uns immer wieder Krisensituationen. Aber geht das nicht auch freiwillig?

Quelle: Website Ajuntament de Valls

Gegenseitiges Stützen ist die Grundlage jedes erfolgreichen Gemeinschaftswerks. Doch dieses Stützen muss ausgewogen verteilt sein. Wenn es nämlich nicht nur in schlechten, sondern auch in guten Zeiten konstant auf immer denselben Menschen lastet, dann – das kennen wir aus der Medizin und dem Maschinen- und Gebäudebau – kommt es irgendwann zu Ermüdungserscheinungen und zum „Ermüdungsbruch“.

Rund um den heutigen Internationalen Tag der Frauen und ihrer (Menschen-)Rechte ploppen wieder von allen Seiten Zahlen auf, die wahre Bände von einer konstant ungleichmäßig verteilten Last sprechen. Es ist dabei Konsens, dass die an den Zahlen sichtbar werdende Schieflage zwischen den beiden Bevölkerungshälften unerträgliche Ungerechtigkeiten widerspiegelt. Jedoch sei es – so wird uns immer wieder weisgemacht – nur in kleinen Schritten möglich, diese Ungerechtigkeiten zu beseitigen (Anmerkung: Im aktuellen „Reform“-Tempo würde das noch ca. 217 weitere Jahre dauern!).

Warum gibt es keine energischen kollektiv-solidarischen Anstrengungen auch von Seiten der männlichen Bevölkerungshälfte, ihre angeblich „bessere Hälfte“ aus dieser Situation zu befreien? Ist das wirklich nur Bequemlichkeit?

Sicher: Das derzeit vorherrschende Wirtschaftssystem profitiert davon,

  • dass die Haus-, Familien- und Fürsorgearbeit in Händen von Frauen (die so genannte „Care-Arbeit“) weitestgehend unbezahlt bzw. geringfügig bezahlt ist und damit nicht in gesellschaftlichen Jahresbilanzen auftauchen muss – obwohl das (Über-)Leben der Menschheit von ihr abhängt und ohne sie alle anderen Wirtschaftsprozesse gar nicht stattfinden können;
  • dass Frauen für dieselbe Arbeit weniger Geld und damit am Ende ihres Lebens auch weniger Rente erhalten als Männer;
  • dass die Arbeitsbedingungen in unserem Land weitestgehend auf vollzeitarbeitende, mit Geld und Statussymbolen köderbare Menschen ausgerichtet sind;
  • dass starr an vermeintlich „natürlichen“ Rollenbildern festgehalten wird, auch wenn es die in der Natur gar nicht gibt (und auch „früher“ nicht gab).

Warum wird allseits billigend in Kauf genommen – übrigens auch von Frauen -, wie die vielfältig-möglichen Maßnahmen zur Beseitigung dieser ungerechten Schieflage veralbert bis diffamiert und sogar zur Argumentationsgrundlage für expliziten „Hass auf Frauen“ werden?

Wir erinnern uns (s. o.): So eine ungleiche Lastenverteilung wird über kurz oder lang zu „Ermüdungsbrüchen“ führen – Ermüdungserscheinungen sind längst in vielen gesellschaftlichen Bereichen zu sehen. Lasst uns dem doch nicht sehenden Auges – weiter – entgegenrennen.

Lasst uns doch laut aussprechen, dass nicht nur Frauen, sondern auch Männer unter dieser Schieflage und ihren Effekten leiden (sowie alle anderen menschlichen Identitäten, in denen wir auf der Erde leben können), und die energische Solidarität von Männern und Frauen für diejenigen einfordern, die engagiert-hartnäckig für ein gutes Leben für alle unter gendersensiblen Gesichtspunkten arbeiten.

Lasst uns doch endlich das zum wichtigsten gesellschaftlichen Thema machen und gemeinsam – siehe oben – Konzepte, Wege und Konstellationen vereinbaren, wie unsere Zukunft eine gute für alle werden kann.

Es ist schon von so vielen Menschen so viel klug-fundierte Vorarbeit dafür geleistet worden; deren Ergebnisse sollten die Entscheidungsgrundlage dafür sein, wo wir in diesem „Super“-Wahljahr 2021 unsere Kreuze auf dem Wahlzettel setzen.

Nachfolgend eine kleine, aber feine Auswahl an Anregungen für die Ausgestaltung einer solchen guten Zukunft für alle (aus der Viiielzahl wunderbarer und konkret-inspirierender Gedanken und Aktionen):

  • Buch „Über die Kunst, den Wandel zu gestalten – Kultur | Nachhaltigkeit | Bildung“ / hrsg. v. Karola Braun-Wanke u. Ernst Wagner: freier Download HIER, Printversion bei Waxmann Verlag

Viel schöpferisches Vergnügen auf dem Weg in unser aller Gutes Leben!

Wirkmächtig für Nachhaltigkeit: die LebensMittelPunkte

Sie sind Punkte, an denen es um Lebensmittel geht, und Orte, an denen das Leben im Mittelpunkt steht – und nun sind sie auch fester Bestandteil der neuen Berliner Ernährungsstrategie: die LebensMittelPunkte (LMP).

LMP-Willkommen
Quelle: Berlin 21 (Wiebke Koch Graphic Recording)

Dabei muss die dringend anstehende Ernährungswende beileibe nicht „von oben herab“ verordnet werden, denn sie findet schon seit vielen Jahren statt – ein wundervolles Beispiel für demokratische „Bottom-up“-Prozesse (s. auch der Artikel „Vom Reden zum Machen“).

LMP-Berlinkarte
Quelle: Berlin 21 (Visual Facilitation: Wiebke Koch)

Foodsharing, Fair-Teiler-Netzwerke, „Culinary Misfits“, urbane Landwirtschaft und (auch interkulturelle) Nachbarschaftsgärten sowie unzählige weitere zivilgesellschaftliche Initiativen rücken die Themen Nachhaltiger Konsum und Nachhaltige Ernährung immer dichter an die Kieze und ihre Bewohner*innen heran; „Unverpackt“-Läden ermöglichen an immer mehr Stellen in den Städten das Einkaufen von Lebensmitteln ohne Plastikverpackungen.

Weiterlesen „Wirkmächtig für Nachhaltigkeit: die LebensMittelPunkte“

Umweltgerechtigkeit & Nachhaltigkeit

Bundesweit erstmalig ist im vergangenen Februar in Berlin ein Bericht zur Umweltgerechtigkeit in einem Metropolenraum erschienen, der sozialraum-, also „kiez“bezogen verschiedene Aspekte von Umweltbelastungen aufzeigt.

Meine Kolleg*innen und ich im Vorstand von Berlin 21Netzwerk für Nachhaltige Entwicklung in Berlin (für die Stadt Partner in der Regionalen Netzstelle Nachhaltigkeitsstrategien RENN.mitte des deutschen Rats für Nachhaltige Entwicklung) haben dieses außergewöhnliche Werk aus der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz in den Mittelpunkt eines Fachforums gestellt.

UG_NH-PraesS15
Quelle: Präsentation Dr.-Ing. H.-J. Klimeczek, 29.05.19

Weiterlesen „Umweltgerechtigkeit & Nachhaltigkeit“

Ein Hoch den zivilgesellschaftlichen Change Agents … und her mit einer angemessenen Förderung für sie!

Die Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele findet im Alltag statt und muss dort auch kontinuierlich bezahlt werden.

Akademische Forschungsergebnisse überfluten uns aus allen Bereichen des Lebens. Manchmal zwar auch mit Inhalten, die das genaue Gegenteil von früheren Erkenntnissen darstellen, aber wie auch immer: Forschungsdrang ist gut. Lernen wir doch durch ihn die Welt, in der wir leben, immer detaillierter kennen und wird gerade an Widersprüchen deutlich, dass das Leben so immens vielfältig ist, dass im Universum einfach Platz für alles ist und es keine alleingültige einzige Wahrheit gibt. Gut also, dass es die Forschenden gibt.

Blinde_und_Elefant
Quelle: https://koptisch.wordpress.com

Aber was passiert danach mit all ihren Erkenntnissen, insbesondere denjenigen zu Themen von breitem Gemeinwohlinteresse? Wie zum Beispiel: „Warum können wir nicht weiter so leben wie bisher und wie wollen wir statt dessen unsere Zukunft gestalten?“ Wie werden die vielen erforschten Puzzleteile zu einem großen Bild, der gemeinsamen Vision eines guten zukünftigen Lebensalltags (Buen Vivir)?

Weiterlesen „Ein Hoch den zivilgesellschaftlichen Change Agents … und her mit einer angemessenen Förderung für sie!“