
Früh erkannte und benannte sie, was bis heute gern verschleiert wird: Ungleiche bzw. ungerechte Lebensbedingungen zwischen den Geschlechtern werden als „Natur“ getarnt und beworben, als „Tradition“ oder als „freie Entscheidung“.
Und die Argumente, mit denen Frauen am Ende doch immer noch aus wesentlichen gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen gehalten werden, wechseln zwar ihre Sprache, aber selten ihre Logik.
Hedwig Dohm durchschaute diese Logik. Sie nahm sie auseinander – radikal, analytisch und mit einer beißenden Satire, die noch immer trifft.
Und just an ihrem 195. Geburtstag ist Dohms Analyse keine historische Fußnote, sondern ein höchst gegenwärtiger Denkanstoß:
Denn morgen, am 20. September, werden in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern unter großer medialer Aufmerksamkeit an einem wichtigen Punkt unserer demokratischen Entwicklung neue Volksvertretungen gewählt. Es wird also über politische Mehrheiten entschieden – und damit auch darüber, welche Vorstellungen von Freiheit, Gleichberechtigung und gesellschaftlicher Ordnung politische Macht bekommen.
Also: Augen auf beim Kreuzchen-Setzen. Nicht nur morgen. Denn wer wählt, gibt nicht nur die eigene Stimme ab. Sondern Macht.