PerspektivenWechselWirkung | 4.9.26, 10-11 Uhr | online

Wenn in den kommenden Wochen in mehreren Bundesländern gewählt wird, richtet sich die Aufmerksamkeit vor allem auf Zahlen, Mehrheiten und Wahlergebnisse. Doch Demokratie und Zukunftsgestaltung finden nicht nur an der Wahlurne statt.

Unsere Onlinestunde möchte den Blick weiten: auf die vielen Menschen, die sich täglich einmischen, Verantwortung übernehmen und konkrete Lösungen schaffen – jenseits von Parteien und Wahlkämpfen. Sie zeigen, wie vielfältig zivilgesellschaftliches Engagement ist, und machen Mut, die Zukunft jeden Tag ganz praktisch vor der eigenen Haustür selbst zu gestalten.

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PerspektivenWechselWirkungMit wechselnden Themen-Schwerpunkten bieten wir ein festes knackiges Angebot, das dazu beitragen möchte, netzwerkübergreifenden Austausch mit feministischen Impulsen zu fördern und zu stärken.

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Das Mammut im (Wahl-)Raum

In allen drei Bundesländern, in denen in diesem Herbst noch Landtags- bzw. Abgeordnetenhauswahlen anstehen, sind die Zahlen eindeutig: Frauen* stellen die Mehrheit der jeweiligen Bevölkerung. In den dortigen Parlamenten allerdings sind sie nur zu rund einem Drittel vertreten – Verhältnisse wie auf Bundesebene.
Trotzdem lehnten in einer aktuellen Umfrage fast zwei Drittel der 5.000 befragten Bundesbürger*innen und davon auch die Hälfte der Frauen* ein paritätisches Wahlrecht ab, also die Besetzung der Wahllisten mit gleich vielen Frauen* wie Männern*.
Warum gefährdet diese Ablehnung aber unsere Zukunft: gesellschaftlich & politisch & wirtschaftlich?

Image by Muhamad Ali from Pixabay

Im Vorfeld der anstehenden Wahlen wird zu Recht (wieder) besonders viel diskutiert über die Krisen in den verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen: z. B. in der Wirtschaft, in der Bildung oder im Gesundheitswesen.

Dabei wird von führenden Politiker*innen immer wieder gebetsmühlenartig betont, dass Zukunftsfähigkeit nur hergestellt werden könne, wenn die „Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft“ auf dem Weltmarkt hergestellt und aufrechterhalten würde.

Richten sie ihren Blick auf die Menschen, scheint ihnen vor allem wichtig, mehr Arbeitsleistung zu fordern. Oder sie lassen sich auf Diskussionen ein wie: „Kampf ums Auto“ (öffentliche vs. individuelle Mobilität); „Jung gegen Alt“; „Woke oder was?“; „Arm und reich“ oder „Klimastreit“ (ZDF-Reportagen von 37 Grad Leben).

Kein Wort allerdings zu dem Elefanten, nein: dem Mammut mitten im Raum: Wie soll unsere Gesellschaft die Anforderungen von Gegenwart und Zukunft bewältigen, wenn die statistische Hälfte von ihr – Frauen* – sich Tag für Tag mit den unterschiedlichsten strukturellen Diskriminierungserfahrungen arrangieren muss? Gepaart mit der zutiefst erschütternden Erkenntnis, dass sie selbst im familiären bzw. intimsten Schutzraum nicht zuverlässig vor männlicher* Gewalt geschützt ist?

Mehr Frauen* in Parlamenten sind für sich genommen zwar noch keine Garantie dafür, sich endlich dem Mammut zu stellen. Aber die Parität ist ein Hebel, um die Bedingungen politischer Arbeit selbst zu verändern – und damit auch darüber zu entscheiden, was unsere Gesellschaft wichtig nimmt.

Wir brauchen nicht mehr Frauen* in der Politik, damit Frauen* besser mit dem bestehenden System zurechtkommen.

Wir brauchen mehr Frauen* in der Politik, damit sie machtvoll mitentscheiden können, wie unsere Gesellschaft in der Zukunft überhaupt leben will.


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